Jenni Smith von Ariat im Tevis Cup

06.08.2014

Der erste Schritt auf dem Weg nach Tevis 2014 ist getan. ?Wir haben den American-River-50-Distanzritt am 26. April abgeschlossen.


Da der Weg meist nur hintereinander absolviert werden kann, waren wir sehr daran interessiert, von Anfang an weiter vorne mitzureiten als wir es normalerweise tun würden. Wir befanden uns in einer schnellen Gruppe bestehend aus 8 Reitern und erreichten – vorne immer mal ein anderer Reiter – die erste tierärztliche Untersuchung nach ca. 17 Meilen. Nur ein Reiter beendete die tierärztliche Untersuchung vor uns und wir konnten ihn relativ schnell einholen.


Das Pferd war ein Mustang, ein robuster kleiner Rotfuchs-Wallach, den Stella sofort und ausdrucksstark ablehnte. Der kann man nichts vormachen, dieser Stute. Wenn Sie einmal ein anderes Pferd nicht leiden kann (ok, meistens sind es Wallache), dann weiß jeder sofort Bescheid. Als wir voranritten, reduzierte sie das Tempo, damit sie besser nach ihm treten konnte. Bei Pausen an Tränken musste ich ganz scharf aufpassen, denn sie drehte sich gerne blitzschnell um, und machte Drohgebärden in seine Richtung. Es war schon lustig, aber beim Distanzreiten ist es wichtig, dass man Pferde davon abhält sich gegenseitig zu verletzen.


Während unseres Ritts am See entlang hatten wir eine wunderbare Aussicht, als die Sonne aufging und ihren Weg langsam am Himmel fortsetzte. Es lag noch viel Tau auf den Bäumen und Büschen. Wer auch immer uns voraus war, musste einfach klitschnass werden. Das ließ sich nicht vermeiden. Und in dieser Jahreszeit findet man in Nordkalifornien überall Gifteichen. Ich trug ein langärmeliges Hemd zum Schutz vor der Sonne unter meiner Weste. Mein linker Oberarm (der See lag zu unserer Rechten, Büsche und Bäume wuchsen auf der Seite nicht so hoch) sieht aus, als wäre er total verbrannt. Ich hatte direkten Kontakt mit dem Saft der Pflanze, da mir unterwegs beim Vorbeireiten so viele Zweige im Schulterbereich entgegenschlugen.
Das Hemd ist von Ariat, und daher habe ich mich natürlich beim Unternehmen beschwert. Die Antwort? „Jenni, dieses Hemd ist nicht als Panzer gegen Gifteichen gedacht.“ Da kann man nichts machen.


Wir drei trafen zur Mittagspause zusammen und Stella und Zoe kamen zwei Minuten vor dem Mustang an. Die Stuten waren voll da, gingen gut, fraßen, tranken, äpfelten usw. Alles, was Sie von Ihrem Pferd erwarten und sich wünschen. Die Stunde verging wie im Fluge und wir sattelten wieder auf und machten uns auf den Weg nach Cool. Der erste Loop-Abschnitt war der Tevis-Wanderweg (die letzten 4 Meilen von der No-Hands-Brücke bis zum Auburn Overlook), der dann in herrliche Wiesen mit Rieseneichen überging. Absolut atemberaubend.


Der Mustang holte uns früh ein und wir ließen ihn ziehen. Jenn wollte nach Möglichkeit während des gesamten Ritts ein konstantes Tempo beibehalten und er war einfach zu schnell für unseren Geschmack. Die Stuten gingen gut. Wir machten uns keine Gedanken. Ab und zu wechselten wir uns vorne ab. Stella führt gerne, obwohl sie bergauf meist anfängt, ihre Kräfte zu sparen, und ihr Tempo verlangsamt. In der Regel wechseln wir uns dann dort mit Zoe ab.
Der Ritt auf dem Olmstead Loop war angenehm und wir beendeten ihn in weniger als 5 Stunden (eine ziemliche gute Zeit für einen Ritt wie AR). Der Mustang gewann, Zoe/Jenn waren Zweite und Stella und ich erreichten das Ziel als Dritte. Es vergingen gut 15 Minuten oder noch mehr, bevor weitere Pferde und Reiter eintrafen.

Hier möchte ich unsere fantastische Crew lobend erwähnen – und ganz besonders Bob Sydnor. Bob folgte uns während des gesamten Ritts und versorgte uns hier und da mit Starbucks. Er versorgte uns mit allem, was wir brauchten, damit wir uns um unsere Pferde kümmern konnten. Er brachte unsere Ausrüstung vom Start zum Ziel und sorgte dafür, dass wir uns während des Ritts um nichts anderes kümmern mussten. Es gibt nichts Besseres als eine gute Crew.


Nach einem 50-Meilen-Distanzritt hat man in der Regel eine halbe Stunde, um dafür zu sorgen, dass das Pferd bestimmten Kriterien entspricht (in diesem Fall heißt das, die Herzfrequenz auf 60 Schläge pro Minute zu bringen). Die meisten Reiter nehmen dann auch die tierärztliche Untersuchung vor. Wenn man mit der abschließenden tierärztlichen Untersuchung zu lange wartet, kann es sein, dass die Pferde bei kühlem Wetter wieder steif werden.


Wir haben daher nach Erreichen des Ziels die tierärztliche Untersuchung direkt durchgezogen und unsere Bescheinigungen erhalten. Dann sind wir zurück zum Lager (am Overlook) und haben damit angefangen, die Stuten auf die Konditionsbeurteilung vorzubereiten. Wir bemühten uns, sie nicht zu arg zu belästigen, da sie alles verschlangen, was wir ihnen vorsetzten.


Die Konditionsbeurteilung war unsere letzte Aufgabe. Die ersten 10 Reiter werden hier eingeladen, ihre Pferde vorzustellen. Diese Auszeichnung ist vielleicht noch angesehener als der Sieg des Distanzritts selbst, weil hiermit ausgesagt wird, dass dein Pferd im Vergleich zu den anderen 9 Pferden von der Kondition her den besten Eindruck macht. Hierbei werden das getragene Gewicht und die Zeit für den Ritt berücksichtigt.


Damit ein Pferd diese Auszeichnung erhält, muss der Tierarzt alle Vitaldaten prüfen und den CRI feststellen (Cardio Recovery Index, ein Test, bei dem der Puls des Pferdes gemessen, eine Minute gewartet und der Puls dann erneut gemessen wird). Sodann muss das Pferd auf einer geraden Linie und in einem Kreis in beide Richtungen traben. Das tierärztliche Urteil wird mit dem Gewicht des Reiters (einschließlich Sattel und Zaumzeug, Vorteil haben hier schwerere Reiter) und der Rittzeit (Minuten hinter dem Sieger) kombiniert. Das Ergebnis führt zu der BC (Best-Condition)-Auszeichnung.


Eine Stunde nach unserem Eintreffen im Ziel – die vorgeschriebene Zeit für die Vorstellung vor der BC-Jury – suchten wir wieder den Tierarzt auf. Melissa Ribley, eine anerkannte und ebenso beliebte Tierärztin im Distanzreiten, übernahm die Beurteilung. Nun, Stella ist nicht unbedingt ein Publikumsliebling. Sie schwebt nicht gerade mit hochgestelltem Schweif wie andere Araber (die ich hier lieber nicht nennen möchte). Sie trabt einfach hin und her und im Kreis, wie man es von ihr verlangt. Kopf gerade, Ohren entspannt. Eine Spaßbremse, wenn man darum bemüht ist, Punkte zu erhaschen. Aber sie weiß, worum es geht und war brav, auch wenn es keine Ohs und Ahs gab.


Melissa ist eine gute Tierärztin und sie konnte über den Mangel an Selbstdarstellung hinwegsehen. Sie beglückwünschte mich zu Stellas Eindruck und ihrer Verfassung, meinte, dass sie nicht sicher war, welchen Vorteil das Gewicht und die Rittzeit des Siegers bringen würde, aber Stella sähe sehr gut aus. Ich war damit sehr zufrieden und lobte Stella, als wir zum Anhänger zurückgingen.
Jenn und ich mussten an diesem Abend noch aus unterschiedlichen Gründen nach Hause abreisen. Daher fuhren wir ab, nachdem sich unsere Pferde ausgeruht hatten und wieder reisefertig waren. Daher waren wir leider nicht anwesend, als Melissa den anwesenden Reitern mitteilte, wie gut Stella abgeschnitten hatte und dass sie die Best-Condition-Auszeichnung erhalten sollte. Ich war überglücklich!

Das war das erste Mal, dass ich persönlich ein Pferd zu einem BC-Sieg geritten habe! Obwohl diese Auszeichnung im Wesentlichen dem Pferd gilt – seiner Fähigkeit in Verbindung mit der ausgezeichneten Pflege und Konditionierung durch Jenn – war ich sehr stolz. Stella ist einfach ein toller Partner. Sie ist auf jeden Fall das zuverlässigste und beständigste Pferd, das ich jemals geritten habe. Ich kann mich stets darauf verlassen, dass sie sich um sich selbst kümmert. Und das spielt beim Distanzreiten eine wichtige Rolle. Ein fantastisches Pferd! - Siehe auch: http://www.equisearch.com/community/blogs/jenni-smith?page=3#a3231